FREISPRUCH FÜR FRANZ

FREISPRUCH FÜR FRANZ – Der etwas andere “Process”, für das Moabiter Theaterspektakel, Premiere am 18.07.2026 im Bürgerzentrum Neukölln, weitere Vorstellungen: Kulturarena Moabit, Poesieherbst Falkensee, Kulturbeutel Festival im Theater Speyer; Konzept und Inszenierung: Luzia Schelling / Klavier: Carolin Spille / mit: Joachim Dörrfeld, Dagmar Eichner-Jentsch, Winfried Folz, Friederike Hartmann-Hornberger, Christian Hoenisch, Lisa Mair, Christian Schulze, Martina Strilek, Dilek Yüksel

„Freispruch für Franz” ist so surreal, voller abgründigem Humor und berührendem Tiefgang – ein herausragender Theaterabend, der im Gedächtnis bleibt.
Aus „Heimspiel für Franz K”, Rhein-Pfalz, 2026

 

Der Protagonist aus Kafkas Romanfragment „Der Process“, das gegen den Willen des Autors 1925 in Berlin publiziert wurde, rutscht ungewollt ins Getümmel der schillernden Metropole. Hier trifft er auf Menschen aus Fleisch und Blut – denn seine Gegenspieler und Kompliz:innen sind namentlich bekannte Personen, die in den 1920er‑Jahren in reale Gerichtsverfahren verwickelt waren: Als Angeklagte, Kläger:innen, Zeugen, Täter und Opfer kämpfen Kafka’s “Nebenfiguren” ihren täglichen Überlebenskampf um Freiheit oder Geld, Status oder Selbstbestimmung – gegeneinander und gegen das “Rechtswesen” der Weimarer Republik, das auf dem Papier zwar allen gleiche Rechte versprach, in der Praxis aber von Richtern und Staatsanwälten Alter Schule aus der Kaiserzeit ausgelegt wurde. Ausgehend von „Der Process“ sowie Gabriele Tergits Gerichtsreportagen von 1924/25 und eigenen Recherchen verfolgt „FREISPRUCH für FRANZ“ Berliner Zeitgeschichte zwischen Fiktion und Protokoll, zwischen Weltliteratur und sozialer Not, die sich in den Dokumenten des Justizapparats niederschlägt. In Franz Kafkas Universum ist das Rechtswesen allgegenwärtig, denn letztlich sind im sozialen Gefüge alle miteinander “verhaftet” und dem Urteil ihrer Umgebung ausgesetzt… In der von Hyperinflation und Arbeitslosigkeit bestimmten Schieflage der 20erjahre schwankt der Boden – und gleichzeitig scheint in den „Behördengängen“ alles möglich zu sein: Was wäre, wenn der Protagonist der Willkür seiner Häscher entkäme? Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich, die dramatischen Verwirrungen nehmen ihren Lauf, und vielleicht findet der Protagonist in der Bierhalle zum Alten Knochen ein Schlupfloch, um seinem Schicksal als tragischer Antiheld zu entrinnen.